Der andere Blickwinkel
Persönliche Ansichten unserer Welt- in Gedanken und Bildern.

Was ist Rassismus eigentlich?

Definition von Rassismus

Der Begriff 'Rassismus' kam Anfang des 20. Jahrhunderts erstmalig auf, wurde aber in unterschiedlichen Gesellschaften noch längere Zeit sehr unterschiedlich, zum Teil sogar positiv konnotiert, gebraucht. Ab etwa Mitte der 1930er Jahre setzte sich aber die heute noch gültige Definition durch, nach der Rassismus die Abwertung von Menschen auf Grund äußerlicher Merkmale ist, die zur Einteilung in Rassen verwendet werden können.

Heute schreibt bpb: [https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-in-einfacher-sprache/322448/rassismus/]: "Rassismus ist eine Art von Diskriminierung. Durch Rassismus werden Menschen zum Beispiel wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Haare, ihres Namens oder ihrer Sprache diskriminiert, ausgegrenzt und abgewertet." Das ist erstaunlicherweise nicht mehr das, was ich unter Rassismus verstanden habe: Von Rasse ist nicht mehr die Rede, während Herkunft, Name und Sprache, nichts mit ererbten, biologischen Eigenschaften zu tun haben, also nicht zum Menschen an sich gehören. Sie können aber für Fremdenhass missbraucht werden.

Solche Aufweichungen und Erweiterungen von Begriffen wird 'Concept Creep' genannt und kann für Sprachfälschungen eingesetzt werden. 

Für mich war es jedenfalls eine notwendige Entwicklung unserer Gesellschaft zu erkennen, dass die Rasse eines Menschen nicht mit einem Wert verbunden sein kann, weder positiv noch negativ. Aber so offensichtlich mir das auch erschien, es würde wohl mehr Zeit brauchen diese Erkenntnis in das Bewusstsein der Menschen einzugraben, als einem lieb sein konnte - eigentlich hätte das doch längst gesehen sein müssen.

Das Wort 'Neger' wurde mit der Zeit immer seltener gebraucht, statt dessen sprach man von Schwarzen. Das war intuitiv gut nachzuvollziehen und passierte so ganz nebenher. Warum 'Neger' seltener benutzt wurde erschloss sich mir nicht, war mir aber auch egal; ich verfolgte dabei keine Intention. Irgendwann wurde ich allerdings gewahr, dass 'man' nicht mehr 'Schwarze' sagen sollte, sondern 'Farbige'. Da Schwarze ganz offensichtlich nicht farbig waren vermutete ich dahinter Schwachsinn in mir unbekannten, aber wohl einflussreichen Kreisen. Als dann aber 'Farbig' durch 'PoC' ersetzt werden sollte war mir klar, dass in der Gesellschaft zerstörerische Prozesse abliefen und ich mit meiner 'Schwachsinn'-Vermutung wohl genau richtig gelegen hatte. Dass dahinter Weltverbesserer und Gutmenschen steckten, war mir damals aber noch nicht bekannt.

Die Welt verbessern ...

Wer eine bessere Welt will muss das Leid von Menschen verringern. Das funktioniert aus menschlichen Gründen aber nur in der näheren Umgebung: Das mögliche Leid von Aliens betrifft uns überhaupt nicht, das von unbekannten in 10.000 km Entfernung kaum. Das Leid in unserer Umgebung betrifft uns um so mehr, ja näher die leidenden Personen uns stehen - das hat evolutorische Gründe und muss einfach hingenommen werden; letztlich geht es uns nämlich immer um uns selbst: unsere Empathie lässt uns fremdes Leid mitempfinden und erzeugt den Impuls, zu helfen - und damit nutzen wir unsrer Gruppe. Wenn wir die leidende Person nicht sehen, wirkt diese Empathie nicht - vermutlich weil kein evolutionärer Vorteil damit verbunden wäre. Aber natürlich kann man sich trotzdem für Menschen einsetzen, die einem unbekannt und weit entfernt sind.

Was muss geschehen, um fremdes, reales Leid zu lindern? Letztlich gibt es nur individuelles Leid und niemals Gruppenleid; es ist das Leid vieler einzelner leidender Menschen, dass gelindert werden muss, wenn man die Welt verbessern will. Auch vergangenes Leid ist dabei bedeutungslos, denn die Vergangenheit kann nicht verändert werden und darf dem Heute nicht im Weg stehen. Aber vielfach ist Leid die Folge gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: das Leid ist individuell, aber die Ursachen haben mit der Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu tun. Wenn das Leid aber bestimmte Gruppen wegen ihrer Gruppenzugehörigkeit trifft, ist ein Weg deren Leid zu verringern, diese Gruppengrenzen in den Köpfen der Menschen aufzuheben und eine in dieser Hinsicht grenzenlose Gesellschaft zu schaffen. Aus dieser Sicht ist eine Gesellschaft erstrebenswert, in der alle Menschen einfach nur Menschen sind und angeborene Äußerlichkeiten wie Rassenzugehörigkeit, Geschlecht oder sexuelle Orientierung, keine Bedeutung beigemessen wird. Dazu müssen wir alle lernen, dass Menschen - ob Eskimo, Afrikaner, Mongole, Eurasier oder was sonst - alle einfach nur Menschen und mit uns allen verwandt sind. Im Rahmen der Globalisierung wird sich die Aufhebung der Rassen mit der Zeit von selbst ergeben, da Menschen sich mischen wie noch nie zuvor; aber wir dürfen nicht darauf warten, da dieser Prozess zu lange dauert. Also müssen wir aktiv an der Aufhebung dieser Grenzen in den Köpfen arbeiten. 

Dabei ist es sinnlos, die Existenz von Menschenrassen zu leugnen, da diese - noch - offensichtlich sind. Verschwinden muss dagegen die Thematisierung der Unterschiede: Menschen unterschiedlicher Rassen, aber auch verschiedener Kulturen, dürfen bei uns nicht getrennt in Ghettos unter sich leben. So wird es leichter zu lernen, dass andere Menschen ganz normal sein können, so wie wir.

... und Hass säen

Gesellschaftliche Veränderungen

Grundlegende gesellschaftliche Veränderungen brauchen ihre Zeit - immer. Sogar Revolutionen ändern die Gesellschaft nicht innerhalb von Wochen oder Monaten. Auch das Wissen um die Gräuel des Rassismus und die zu ziehenden Konsequenzen breitet sich nur langsam in der Bevölkerung aus. Solche Zeiten des Wandels brauchen Jahrzehnte, in denen sich eine neue Idee mehr und mehr durchsetzt und ausbreitet.