Gibt es einen Freien Willen?
Gibt es einen Freien Willen? Der Bauch sagt ja - was sagt der Verstand?
Tatsächlich spricht nichts für einen freien Willen beim Menschen oder sonst wo in der Welt, es gibt nur das Gefühl, man hätte Willensfreiheit. In Experimenten [Libet] wurde aber bewiesen, dass dieses Gefühl eine Täuschung sein kann, denn es gibt Situationen, die als freie Entscheidung gefühlt werden, aber nachweislich im Gehirn schon zuvor unbewusst getroffen worden waren. Solche Täuschungen sind normal [Menschen können z.B. Dinge sehen, die nicht da sind und an Zusammenhänge glauben, die nicht bestehen; sie glauben an die unterschiedlichsten Götter und Horoskope etc.] und überlebensdienlich - real sind sie aber nicht. Außer dieses Gefühls gibt es nichts, das auch nur die Idee eines Freien Willens stützen könnte.
Niemand kann definieren, was ein freier Wille genau sein soll, niemand kann definieren, was eine freie Entscheidung von einer unfreien unterscheidet, so dass nach diesem Unterschied gesucht werden könnte; die treibende Kraft ist nur eine moralische Rechtfertigung für Strafen, weil der Mensch strafen will um die Zukunft der Gesellschaft zu verändern - Strafe glaubt also gerade nicht an den freien Willen: Strafe baut auf Veränderung der Entscheidungsgrundlagen im Gehirn und glaubt damit gerade nicht an den Freien Willen.
Da Moral sich mit der Zeit ändert, Moral also keine kosmische Konstante ist, ändern sich damit auch die Basis für die Bewertung von Entscheidungen. Als 'moralisch richtig' empfundene 'freie' Entscheidungen werden dann falsch - wo bleibt da die Freiheit der Entscheidung, wenn nicht der absolute innere Maßstab, sondern die gelernte Moral entscheiden soll? Wenn eine Handlung ganz offensichtlich begründet ist, dann ist kein Freier Wille erforderlich um die Handlung zu erklären: die Handlung folgt konsequent - also kausal - aus den bekannten Gründen, die in das Gehirn eingeschrieben wurden: für ein 'richtige' Entscheidung bedarf es niemals eines Freien Willens. Freier Wille wird überhaupt erst interessant, wenn eine Handlung nicht offensichtlich aus bekannten Gründen folgt - die Gründe also unbekannt sind; was aber nicht bedeutet, dass es sie nicht gibt, sie sind nur noch nicht bekannt.
Gerichte sind immer auf der Suche nach Erklärungen für eine Tat - finden sie diese nicht, schreiben sie sie dem Freien Willen zu; aber letztlich ist es nur Unkenntnis der Zusammenhänge. So kann die späte Erkenntnis über eine Erkrankung plötzlich aus 'bösem freien Willen' ein 'Opfer von Unfreiheit' machen. Da aber letztlich die Prozesse im Gehirn immer bis zu einem gewissen Grad unbekannt bleiben werden, wird Freier Wille immer nur den zur Zeit unerklärlichen Rest abdecken, der noch bleibt - wie der Glaube in der Kirche. Alles andere wird - wenn auch komplex - als determiniert akzeptiert. Freier Wille ist hier nichts als eine anderes Wort für unbekannte Ursache.
In einer klassisch-deterministischen, weil kausalen, Welt [Laplace] ist freier Wille nicht erklärbar, denn er müsste die physikalische Kausalität an irgendeiner Stelle brechen - und die Quantenphysik ändert daran nichts. Der Zufall in der Quantenphysik ist ein echter Zufall, also nicht an versteckte Variablen oder Einflüsse gebunden - ein Eingriff des freien Willens in diesen Zufall wäre genau so eine versteckte Variable; unter seinem Einfluss wäre der Zufall keiner mehr und der Freie Wille wäre in der Lage, den Zerfall des Urankerns auszulösen. Der Frei Wille würde die Naturgesetze auch im Reich der Quanten brechen.
Gäbe es diesen Freie Willen, müsste er zu einem bestimmten Zeitpunkt sowohl in der Evolution als auch beim Wachstum jedes Menschen entstehen. Er müsste auch verifizierbar sein, denn einfach zu behaupten "Jetzt ist er da" ist genauso sinnlos wie die Behauptung, mit Monstern oder Geistern sprechen zu können, die aber prinzipiell von keinem anderen Menschen nachgewiesen werden können: eine unwiderlegbare, sinnlose Behauptung.
Resümee
Der Freie Wille ist ein Gefühl, das auf einer Täuschung beruht; gäbe es ihn, würde er die Gesetze der Natur brechen. Die Annahme eines Freien Willens ergibt einfach überhaupt keinen Sinn.
Stand: 27.01.2026